Makka nähert sich,immer rythmischer formiert sich das
anfängliche-persönliche Du’a zu einem lauten Gruppen-Du’a:
“Labbaikallah-humma labbaik…”
Die Spannung steigt:”Soll es nun wirklich so weit sein? Wie
wird sich ein jeder vorfinden bei der ersten Begegnung mit dem
Haus Allahs,diesem so friedvollen ,so von den Herzen der
Menschen begehrenswerten Platz dieser Erde?”
Schritt für Schritt bewegten wir uns um Mitternacht auf die
Heilige Moschee zu,hell erleuchtet,in weißem Marmor glänzend
liegt sie vor uns. Konzentriert auf den “rechten Schritt”
durchschreiten wir eines der Tore,es mag wohl Babus-Salam(das
Tor des Friedens)gewesen sein,und gleichzeitig bemüht,das
Eintritts-Du’a fehlerfrei vor Allah zu tragen.Noch ist die
Ka’aba nicht in Sicht :Safa und Marwa liegen vor uns und
fordern uns auf, sie entgegen dem fließenden Strom behutsam
und gleichzeitig zügig zu durchqueren.Die Schritte
beschleunigen sich wie von selbst,als spürten sie die Ahnung
von der inneren Erschütterung,beim Anblick dessen,in dessen
Richtung sich alle Muslime dieser Welt in ihren Gebeten
richten:das Haus Allahs auf Erden…
Diese erste Begegnung entbehrt bewußt-gesteuerte Wahrnehmung,
darum soll auch keine Sprache sie zu fassen versuchen: Sie
bleibt “ohne Worte” das individuelle Erlebnis jedes Einzelnen
mit seinem Inneren…
Doch viel Zeit zum Versinken bleibt nicht: Nach dem Gebet
beginnen schon die ersten kleineren Gruppierungen, ihre
Aufgaben fortzusetzen; sie machen sich auf zum Tauwaf, dem
Umkreisen der Ka’aba. Noch ist jeder bemüht, nicht der letzte zu
sein,denn was macht man allein, wenn man nicht weiterweiß?
Wir wissen, ein jeder hat seinen eigenen-in schaàllah geraden-
Weg zu gehen, so kann es einem denn auch mal passieren, daß der
Anstoß, sich ins Wagnis Tauwaf zu begeben, noch nicht
aufgeflammt
ist und-ob man es möchte oder nicht-plötzlich niemand mehr da
ist(aus der bekannten Gruppe selbstverständlich),der einen
mitreißt…
So sollte es denn auch mir wiederfahren:zu lange gewartet und
den Anschluß verpaßt, saß ich vor der Ka’aba-auf Sein Zeichen
hoffend-plötzlich stand es vor mir: Eine der zahlreichen, in
schwarz-gekleideten Aufsichtspersonen fuhr mich schroff auf
Arabisch an, daß ich an meiner Sitzstelle nicht länger
verweilen könnte. Den Gebärden nach zu urteilen, war der
Aufforderung unverzüglich Folge zu leisten; somit machte ich
mich auf den Weg zum Alleingang Umra-mit dem Tauwaf beginnend.
Und Allah hört den Ruf des Rufenden, wenn er Ihn ruft, ebenso
verhält es sich mit der Absichtserklärung zum Tauwaf, mit der
wir uns erneut in Allahs Führung begeben,während wir in 3
schnelleren und 4 darauffolgenden langsameren Umkreisungen uns
auf die innigen, aus dem Herzen gesprochenen Du’as
konzentrierten-unbewußt dessen, daß wir uns wie ein Teilchen in
einem vom Wind durchwehten Getreidefeld bewegen.
Mich hat der Wind-al hamdulillah-wie im Sog einer Woge in der
1. und 3.und 7.Runde immer näher an die Ecke des schwarzen
Steines gestoßen, bis ich ihn endlich küssen durfte, woraufhin
ein Beben und Weinen meinen Körper durchrüttelte und die
Worte”Allahuakbar”und “Al-hamdulillah”hervorschleuderte, in der
Herzengegend einem Erdbeben gleich.
Vieles ließe sich noch zu den folgenden Stationen der”Umra”
berichten,wie z.B.
-Die Pflicht des zwei Raka-Gebets an der ibrahimischen
Gebetsstätte.
-Das freiwillige Gebet innerhalb der Gebetsnische rechts neben
der Káaba.
-Der seidig-edel-weiche Geschmack des Wassers,wenn wir uns bis
zum inneren Überlaufen am Samsam -Brunnen ergießen.
-Der verzweifelte Lauf von Safa zu Marwa,zu Safa zu Marwa,zu
Safa zu Mawa,zu Safa zu Marwa,zu Safa zu Marwa,zu Safa zu
Marwa, zu Safa zu Marwa,von wo aus der letzte symbolische
Schritt im Schneiden der Haare das Ende der `Umra
dokumentiert.
Doch unser Aufenthalt in Saudi Arabien ist noch keinen Tag alt
und hat noch zahlreiche, weitere Stationen anzubieten, die von
ihrem Bedeutungsausmaß mit wenigen Worten kaum die ihnen
gebührende Anerkennung finden können.
Fortsetzung folgt…
