In einem Aprilmonat, bei angenehmen 30 Grad Temperatur nach Sonnenuntergang, im Bezirk Abu Nawas, direkt am Tigris in Bagdad. Im Hintergrund läuft die traditionelle, ein wenig melancholische irakische Musik, die die fröhliche Runde mit Exilfreunden gar nicht betrübt, im Gegenteil, sie stimmte uns fröhlicher, als ob wir das Schicksal der Region trotzen sollten. Nach stundenlangem Sitzen beschließen wir, zu einem der nah gelegenen Lokale zu gehen, um den besten, halbgegrillten, halbgeräucherten Fisch in der Welt – Massgouf – zu essen.
Und die Runde endete nicht vor den Frühmorgenstunden. Ob diese Momente Irakern heute gegönnt werden?
Sahara Cafes
In einer der schönsten Oasen in der Sahara, nämlich in Sabha, im Südlibyen, bei 50 Grad Hitze sitze ich an der Bar in meinem kleinen Hotel – Alkohol ist in Libyen verboten – und genieße die Ruhe, weit weg vom Tripolis-Trubel. Der gelangweilte Kellner aus Bangladesch versucht, sich mit mir auf Englisch zu unterhalten, in der Hoffnung, eine Abwechselung in seinem Alltag zu bringen. Er hält mich für einen Fußballer und fangt an, das Gespräch über Fußball zu führen, obwohl bei ihm Zuhause Cricket, Sport Nummer 1 ist. Es ist Mittag und ich brauche etwas zum Essen. Er führt mich zu einem in Sahara-Stil- gebauten Lokal aus Tongewölbe, dunkel und kühl. Die Speisekarte bietet nur Kouskous und Spaghetti an. Schließlich waren die Italiener die Kolonialherren in Libyen.
Kaum ist das Mittagessen zu Ende, überfällt mich die Siesta-Kraft und ich schleppe mich durch die heißen und staubigen Straßen bis zum Hotel und falle in den Schlaf, träumend von kühleren Stunden.
Oder
In Douz in Tunesien pflegte ich die Gewohnheit, nach einer Jeepfahrt und einem Kamelritt bis zu unserem Zeltlager in den Sanddünen, immer am nächsten Morgen in den Basar zu gehen, um eine Weile dort bei den Einheimischen zu verbringen, da ich dort einen Schuster kannte, der Sahara-Schuhe aus Kamelleder herstellt. Bei ihm habe ich häufig den Eindruck gehabt, dass er nie außerhalb der Oase war. Er kam mir vor, wie eine Dattelpalme aus der Umgebung Douz.
Er begrüßt mich lächelnd und höfflich und bietet mir sofort einen Platz zu setzen. Kaum setze ich mich hin, guckte er den Kellner des Basarcafes gegenüber seinem Laden, ohne ein Wort zu sagen, erhebt er seine Hand und zeigt das Victory Zeichen.
Der Kellner versteht sofort, was gemeint ist, da bei ihm, außer dem dunkel schwarzen Tee, Nichts Anders gibt. Während ich meinen Tee trinke, arbeitet er an seinem Schuh weiter, ohne ein Wort zu sagen, als ob er ein Pakt mit der Ruhe geschlossen hätte. Vielleicht lag es daran, dass eine Quran-Kassette immer im Hintergrund lief und er die Rezitation nie unterbrechen wollte.
